Ich gebe es zu: Als ich das Cover von The Great Awakening zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich bereits eine leise Ahnung, wohin die Reise gehen könnte. Nach dem ersten Durchlauf war klar – die Vermutung war richtig.
Hinter Davinport steckt kein unbeschriebenes Blatt. Dave Johnson dürfte vielen Prog-Fans bereits durch Crypto Knight ein Begriff sein. Als Komponist, Multiinstrumentalist und Produzent hat er dort über Jahre seinen ganz eigenen Stil entwickelt, der klassischen Progressive Rock mit modernen Klangfarben verbindet. Schon davor machte er unter dem Namen The Forgotten Man auf sich aufmerksam. Mit Davinport geht Dave nun seinen eigenen Weg und legt mit The Great Awakening ein Debüt vor, das seine musikalische Handschrift vielleicht deutlicher zeigt als alles, was er bisher veröffentlicht hat.
Was sofort auffällt: Dave Johnson versucht gar nicht erst, das Rad neu zu erfinden. Stattdessen setzt er auf genau das, was Progressive Rock seit Jahrzehnten ausmacht – Atmosphäre, starke Melodien und Arrangements, die immer wieder mit kleinen Details überraschen. Die Einflüsse von Genesis, Steve Hackett, ASIA oder auch King Crimson sind dabei unverkennbar, wirken aber niemals wie eine bloße Kopie. Vielmehr verschmelzen sie zu einem Album, das den klassischen Prog mit viel Liebe zum Detail in die Gegenwart transportiert.
1. When Giants Awake
Der Opener eröffnet das Album episch bis majestätisch und verzichtet komplett auf Gesang. Stattdessen bestimmen klassische Prog-Elemente das Geschehen. Geschickt platzierte Gitarrensoli und feine Licks sorgen dafür, dass der Einstieg sofort Lust auf mehr macht. Ein Auftakt, der die Richtung des Albums eindrucksvoll vorgibt.
2. A New Dawning
Hier treffen hervorragend platzierte Gitarrenlicks auf eine ordentliche Portion 80er-Jahre-Reverb und dezente Electronica-Elemente. Immer wieder fühlt man sich ein wenig an Space Rock trifft 80er-Pop erinnert. Besonders angenehm fällt auf, dass sich der Gesang harmonisch in die Klanglandschaft einfügt. Er drängt sich nie in den Vordergrund, sondern lässt den Instrumenten genügend Raum zum Atmen.
3. Future Perfect
Der Beginn erinnert stellenweise an die klassischen Genesis-Momente der frühen Jahre. Schöne Keyboard-Licks und fein eingesetzte Akustikgitarren erzeugen sofort dieses warme Retro-Feeling. Das abwechslungsreiche Arrangement sorgt dafür, dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Hier macht das Zuhören einfach richtig Spaß.
4. Victorious
Ein grooviger Track mit epischen Anleihen. Auch hier fügt sich der Gesang wieder wunderbar in das Gesamtbild ein. Davinport bleiben ihrem sphärischen Kurs treu und geizen weder mit Gitarren- noch mit Keyboardeinsätzen. Alles wirkt wohlüberlegt und trägt seinen Teil zur Atmosphäre des Songs bei.
5. New Beginnings
Anfangs könnte man fast meinen, hier würde eine Ballade im Stil von King Crimson beginnen. Doch dieser Eindruck hält nicht lange an. Verträumter weiblicher Hintergrundgesang – ganz ohne Worte – legt sich über das Instrumental und verleiht dem Stück eine besondere Tiefe. Schnell wird klar: Das ist weder eine klassische Ballade noch eine Uptempo-Nummer. Vielmehr entsteht ein emotionales Klanggewand, das stellenweise an Tony Banks erinnert. Emotionen zu erzeugen – das können Davinport definitiv.
6. Time Slips Away
Mit diesem Longtrack zeigen Davinport einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Locker und leicht legt sich zunächst eine Akustikgitarre über einen groovenden Prog-Beat, ehe Flötenklänge hinzukommen und Erinnerungen an die goldene Zeit des klassischen Progressive Rock wecken. Genesis-Fans dürften sich hier schnell heimisch fühlen. Der Hörer wird durch ein ausgesprochen facettenreiches Arrangement geführt, ohne dass jemals Monotonie entsteht. Im Gegenteil – ständig gibt es neue Details zu entdecken.
7. Monuments
Anstelle des Gesangs übernimmt diesmal die E-Gitarre die Lead-Rolle. Dave Johnson beweist erneut, dass musikalische Vielfalt für ihn selbstverständlich ist. Frisch und ideenreich jagt ein Prog-Part den nächsten, ohne dabei überladen zu wirken. Besonders auffällig ist, wie viel Liebe zum Detail in jeder einzelnen Passage steckt. Hier wurde offensichtlich über jeden Abschnitt und jede musikalische Wendung nachgedacht.
8. I Walk Alone
Dieser Song erinnert stellenweise an einige der eingängigeren Stücke von ASIA – wären da nicht diese wunderbar Hackett-typischen Akustikgitarren, die sich wie ein roter Faden durch dieses Gesamtkunstwerk namens The Great Awakening ziehen. Insgesamt präsentiert sich der Song etwas geradliniger als seine Vorgänger, verliert dabei aber nie seinen unverwechselbaren Prog-Charme.
9. Telepathic Frequencies
Der Einstieg wirkt beinahe jazzig und kündigt mit seinem Schlagzeugspiel bereits etwas Besonderes an. Und schwupps – geht es mitten hinein in einen herrlich groovenden Prog-Beat. Selbst eine Double Bass kommt hier zum Einsatz und verleiht dem Song zusätzlichen Schub. Der Track treibt konsequent nach vorne, während die Instrumente nur so vor Spielfreude und Virtuosität sprühen. Ein Song, der sofort mitreißt und richtig Spaß macht.
Wer sagt eigentlich, dass Progressive Rock unbedingt Gesang braucht? Davinport jedenfalls ganz sicher nicht.
10. Night Runner
Mit Night Runner, der bereits vorab als erste Single veröffentlicht wurde, endet The Great Awakening genauso stark, wie es begonnen hat. Noch einmal vereinen Davinport all das, was dieses Debütalbum auszeichnet: eingängige Melodien, stimmungsvolle Klanglandschaften, geschmackvolle Gitarrenarbeit und ein Gesang, der sich perfekt in das musikalische Gesamtbild einfügt. Der Song wirkt dabei nicht wie ein bloßer Abschluss, sondern wie das letzte Puzzleteil einer musikalischen Reise. Ein würdiges Finale für ein beeindruckendes Debütalbum.
Fazit
The Great Awakening ist eine deutliche Liebeserklärung an den klassischen Progressive Rock. Dave Johnson gelingt es, die Einflüsse der großen Prog-Bands hörbar werden zu lassen, ohne jemals den Eindruck einer bloßen Kopie zu hinterlassen.
Mal episch und majestätisch, mal emotional und verträumt, dann wieder groovend, sphärisch oder überraschend kraftvoll – Davinport bieten nahezu die komplette Palette dessen, was klassischen Progressive Rock ausmacht, und behalten dabei jederzeit ihren eigenen musikalischen roten Faden.
Besonders beeindruckend ist die Liebe zum Detail. Nahezu jeder Song hält kleine Überraschungen bereit, sei es durch feine Gitarrenlicks, stimmungsvolle Keyboardflächen, akustische Passagen oder abwechslungsreiche Arrangements, die auch nach mehreren Durchläufen noch neue Einzelheiten erkennen lassen.
Die klassischen Einflüsse von Genesis, Steve Hackett, ASIA, Tony Banks oder King Crimson sind immer wieder erkennbar und hörbar. Dennoch bleibt The Great Awakening ein eigenständiges Werk, das nicht in der Vergangenheit stehen bleibt, sondern diesen klassischen Sound mit modernen Klangfarben verbindet.
Wer klassischen Progressive Rock liebt und die komplette Prog-Palette von emotionalen Instrumentalpassagen bis hin zu kraftvollen, groovenden Arrangements schätzt, sollte dieses Album unbedingt auf dem Zettel haben.
Für Fans des klassischen Progressive Rock ist The Great Awakening ein Muss. Absolut hörenswert.
Veröffentlichung
Künstler: Davinport
Album: The Great Awakening
Veröffentlichung: 04. September 2026
Genre: Neo Progressive Rock, Symphonic Progressive Rock
Label: Independent
Land: Portugal
Besetzung und Produktion
Dave Johnson: Gesang, Gitarren, Bass, Keyboards, Kompositionen, Arrangements und Produktion
Kompositionen und Arrangements: Dave Johnson
Aufnahme und Produktion: Dave Johnson
Cover und Artwork: Dave Johnson
Album kaufen und Davinport unterstützen
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Text: André Fedorow
Founder & Editor-in-Chief – Sound of Prog Magazine & Radio