Es gibt Alben, die hört man.
Und dann gibt es Veröffentlichungen, die sich eher anfühlen, als hätte man sich mitten im tiefsten Wald verlaufen – nur um dort festzustellen, dass genau dort die schönste Musik überhaupt entsteht.
Mit „Transition II“ legt Lunatic Soul, das Soloprojekt des polnischen Ausnahme-Musikers Mariusz Duda, keine gewöhnliche Neuveröffentlichung vor. Vielmehr handelt es sich um eine musikalische Brücke zwischen zwei Welten. Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Zwischen Dunkelheit und Licht. Oder, um es britisch auszudrücken: als würde jemand mitten im Nebel höflich das Licht einschalten und sich anschließend noch dafür entschuldigen.
Fans kennen den namensgebenden Longtrack bereits. Ursprünglich erschien „Transition II“ im Jahr 2020 ausschließlich als Bonus der limitierten CD-Version von Through Shaded Woods. Fast 28 Minuten lang, hypnotisch, atmosphärisch und leider viel zu lang für eine Vinylseite.
Ein Problem, das vermutlich schon Generationen von Progressive-Rock-Musikern beschäftigt hat. Die Musik wollte episch sein – die Schallplatte hatte allerdings andere Pläne.
Ein Klassiker bekommt neues Leben
Für diese Veröffentlichung hat Mariusz Duda das Werk behutsam neu gestaltet und auf rund 23 Minuten verdichtet. Genug, um perfekt auf eine LP-Seite zu passen, ohne den eigentlichen Zauber des Stücks einzubüßen.
Im Gegenteil.
Die neue Version wirkt fokussierter, fließender und entwickelt ihre meditative Kraft sogar noch konsequenter als das Original. Statt einer bloßen Kürzung fühlt sich alles eher wie eine natürliche Weiterentwicklung an.
Ergänzt wird das Album durch zwei neu abgemischte Stücke aus den Through Shaded Woods-Sessions:
- Hylophobia (2026 Remix)
- Vyraj (2026 Remix)
Beide profitieren hörbar von der neuen Produktion und fügen sich nahtlos in den atmosphärischen Fluss der Veröffentlichung ein.
Das eigentliche Geschenk
Als wäre das allein nicht schon Grund genug für Sammler und Fans, spendiert Mariusz Duda dieser Veröffentlichung auch noch komplett neues Material.
„Realm of the Weeping Willows“ entstand ursprünglich ebenfalls während der Aufnahmen zu Through Shaded Woods, blieb jedoch jahrelang unvollendet. Erst Anfang 2026 fand das Stück seine endgültige Form.
Und genau hier beginnt die eigentliche Magie dieser Veröffentlichung.
Der neue Titel wirkt keineswegs wie ein nachgereichter Bonus oder eine Resteverwertung aus der berühmten musikalischen Schublade. Vielmehr eröffnet er das Album mit einer ruhigen, beinahe filmischen Eleganz und gibt sofort die Richtung vor: weniger Dunkelheit, mehr Hoffnung.
Der Übergang in eine neue Ära
Mariusz Duda beschreibt Transition II selbst als einen Wendepunkt.
Mit dem Abschluss des acht Alben umfassenden Zyklus „The Circle of Life and Death“ schlägt Lunatic Soul künftig eine neue Richtung ein. Wo bisher häufig Melancholie, Verlust und Schatten dominierten, sollen künftig mehr Licht, Wärme und Zuversicht Einzug halten.
Und genau deshalb erscheint dieses Album ausgerechnet jetzt.
Es bildet gewissermaßen die musikalische Brücke zwischen beiden Kapiteln.
Passender hätte der Titel kaum gewählt werden können.
Zwischen Folk, Atmosphäre und großen Klanglandschaften
Musikalisch bewegt sich Transition II weit entfernt von klassischen Songstrukturen.
Stattdessen entstehen weitläufige Klanglandschaften voller akustischer Instrumente, subtil eingesetzter Elektronik und jener schwer zu beschreibenden Atmosphäre, für die Lunatic Soul seit Jahren geschätzt wird.
Hier stehen nicht Gitarrenriffs oder spektakuläre Soli im Mittelpunkt. Stattdessen entfaltet sich die Musik langsam, fast organisch. Sie nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Und genau darin liegt ihre Stärke.
Wer musikalische Referenzen sucht, landet irgendwo zwischen den frühen Werken von Mike Oldfield, der mystischen Klangwelt von Dead Can Dance und nordisch angehauchter Folk-Melancholie.
Oder, weniger technisch formuliert:
Es klingt ein wenig so, als hätte sich der Wald selbst entschieden, ein Progressive-Rock-Album aufzunehmen.
Ein Album für den richtigen Moment
„Dies ist ein Album, das genau im richtigen Moment erscheint.“
– Mariusz Duda
Und tatsächlich fühlt sich Transition II genau so an.
Nicht wie eine hastig zusammengestellte Archivveröffentlichung. Nicht wie eine Deluxe Edition, die lediglich das Regal der Sammler füllen soll. Sondern wie ein bewusst gesetzter Schlusspunkt unter ein bedeutendes Kapitel – und gleichzeitig der erste Schritt in eine neue musikalische Zukunft.
Trackliste
- Realm of the Weeping Willows – 11:42
- Hylophobia (2026 Remix) – 03:20
- Vyraj (2026 Remix) – 05:32
- Transition II (Condensed Version · 2026 Remix) – 23:00
Veröffentlichung
- Künstler: Lunatic Soul
- Album: Transition II
- Label: Kscope / Edel
- Release: 26. Juni 2026
- Formate: CD, Classic Black Vinyl, Olive Green Vinyl
Links
🌐 Offizielle Website:
https://lunaticsoul.com
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🎵 Label Kscope:
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Text: André Fedorow
Founder & Editor-in-Chief – Sound of Prog Magazine & Radio
