Review: PALLAS - "A Song For Tomorrow"

Nach dem Album „The Dreams Of Men“ (2005) wurde es etwas ruhiger um die schottischen Prog-Urgesteine Pallas. Das lag mit Sicherheit auch an dem Ausstieg von Alan Reed, der markanten Stimme der Band. Die drei Alben in der Zeit von 2010-2022 sind dann auch mehr oder weniger untergangen, doch seit dem Jahr 2022 ist Alan Reed zurück. Und nun legen Pallas mit „A Song For Tomorrow“ ein neues Album vor und mit Graeme Murray, Niall Mathewson, Ronnie Brown und eben Alan Reed ist man quasi zurück in der 80er-Jahre Besetzung, was Großartiges verheißt. Zehn Songs gibt’s zu hören in dem von Mike Bentley mit fantastisch futuristischem Artwork versehenen neuen Werk.
Und Pallas starten mit Streichern, symphonischem Bombast und wuchigen Drums in fast schon typischer Manier mit „Reset“ in’s Album hinein. Der Gesang von Alan Reed kommt gewohnt ruhiger, aber dennoch intensiv, der Song an sich eingängig straight. Ein wunderbarer Gitarrenpart rundet den Einstieg in den Düster-Prog von Pallas ab. Kurzer Trommelwirbel und erneut symphonische Unterlegung startet „Rage“. E-Piano und Uptempo-Rhythmen setzen diesen dystopischen Track in Gang, der mit verzerrten Gitarrenklängen etwas in Chaos versinkt, dann aber einen ruhigen Part mit sphärischem Gesang nachschiebt. Doch auch das Ende kommt wieder schneller und zerfahrener.
Eine kleine Stimmen-Einlage wie bei einem Kaufhaus-Sprecher und darauf folgend kindlicher Gesang lassen den Titeltrack „A Song For Tomorrow“ zum berührenden, melancholisch balladesken Seelenwärmer werden, der sehr atmosphärisch ertönt und auch mit düsteren Bombast-Elementen inklusive mehrstimmigem Chorgesang aufwartet. Kurzes Telefon-Tuten und dann geht’s soundgewaltig und mit Tribal-Drums los bei „The Private Collector“. Teils verspielt mit entspannten Gesangslinien, sowie harmonischen Parts, schwebt der Song hochmelodisch und verklärt mystisch durch die Pallas’schen Progwelten. Mit über acht Minuten hat der Song auch einiges zu sagen.
Nach einer weiteren, typischen Pallas-Nummer mit langsamem Beginn, melancholischem Gesang und wuchtigem Bombast („Dirt“), folgt das ruhigste Stück „Aspirations“, das zwischendurch auch ein paar geisterhafte Klänge offenbart. Die Akustik-Gitarre wird hierbei eloquent gezupft. Mit „Ruhing Headlong“ fühlt man sich nicht zuletzt durch die flotten, verspielten Parts und den Gesang an die etwas poppigere Yes-Phase der 80er-Jahre erinnert. Etwas ungewöhnlich im Kontext des Albums, aber eine nette Abwechslung zwischen all der greifbar nahen Intensität des Pallas-Sounds.
Wieder düster und nahezu unheilvoll pendelt „The Avenue Of Broken Dreams“ zwischen ruhigeren und dynamisch dichten Melodien hin und her. Melodien, die erhaben duch die Boxen rauschen und jeden Prog-Fan verzücken. Bei „Mother“ wird man von tiefer Traurigkeit und dramatischen Momenten mit in die Tiefe gezogen. Man leidet förmlich mit und die Gänsehaut, die sich ausbreitet, kann auch mal auf meterdick ansteigen. Sehr depressiv und mit symphonischen Elegien, sowie bombastischen Elementen versehen, bleibt die ein oder andere Träne im Auge zurück. Da kann man froh sein, daß der abschließende Neunminüter „Inside Outside“ den Hörer wieder durch die Lüfte schweben lässt, wenn sich mehrstimmiger Gesang, Lyrik und Poesie, sowie schleppende Rhythmen und wunderbare Melodien die Klinke in die Hand geben. Mit hoher Intensität beenden Pallas quasi den Song von morgen.
„A Song For Tomorrow“ ist ein Album, das man sicherlich mehrmals hören muss, bevor es sich endgültig entfaltet, aber man wird nicht zuletzt auch durch Alan Reed sofort in den Bann gezogen und lässt das Gehörte auf sich einwirken. Ein 80er Jahre Pallas-Prog Album, das in die Moderne eingezogen ist und völlig zeitgemäß den Stempel im 2026er-Progrock aufdrückt. Dystopisch und düster, wunderbar melodisch und melancholisch einfühlsam, sowie bombastisch und mit intensivem Grundton ist das neue Album von Pallas wieder eines, wie man es von den Schotten erleben will.
Trackliste
- Reset
- Rage
- A Song For Tomorrow
- The Private Collector
- Dirt
- Aspirations
- Rushing Headlong
- The Avenue Of Broken Dreams
- Mother
- Inside Outside
Album: A Song For Tomorrow
Veröffentlichung: 30.10.2026
Genre: Neoprog
Label: Cherry Red Records
Land: Schottland
Besetzung und Produktion
Alan Reed - vocals
Niall Mathewson - vocals, quitars, keyboards, drums & percussion
Ronnie Brown - vocals, keyboards, drums & percussion
Graeme Murray - vocals, bass
Produced by Niall Mathewson and Ronnie Brown
Anspieltipps
- The Private Collector
Links
Website
https://www.pallasofficial.com
Bandcamp
https://pallasofficial.bandcamp.com
